
Gayheimnisse
Der Abend senkte sich über die Insel und er saß immer noch an seinem Schreibtisch. Er hatte genug. Genug von jener verrückten Sehnsucht und genug von der Gefangenschaft. Genug von der Hitze, dem Schweiß und der ganzen Hilflosigkeit. Er blickte hinüber zu den gläsernen Spritzen und den Ampullen, mit denen man ein Leben ganz zügig beenden konnte. Jack stand mit schweren Füßen auf und ging zu dem Glasschrank, wo diese Utensilien aufbewahrt wurden. "Scheiß drauf", sagte er leise. SCHEISS DRAUF! Dann sägte er eine Ampulle mit der winzigen Feile auf und zog ihren Inhalt anschließend auf die Glasspritze. Er zog sein Hemd aus, denn es war mittlerweile klatschnass. Den Gummischlauch um seinen Oberarm geknotet, klopfte er die gestaute Vene unter seiner Haut hervor. Im gleichen Moment, als er die Injektion durchdrücken wollte, roch er Zigarettenrauch. Eine große Hand packte sein Handgelenk und presste es so zusammen, dass es augenblicklich taub wurde und er die Spritze fallen ließ. Ein satter Hieb landete auf seinem Kiefer. Für einen Moment sah er bunte Spritzer hinter seinen Lidern, bevor alles schwarz wurde. Als er wieder klar war, stand Tokugawa über ihm, hatte seine Kehle mit der Faust gepackt und starrte ihn mit zornig funkelnden Augen an. Jack, in der festen Überzeugung, der Offizier würde ihn erwürgen wollen, sprang von seinem Stuhl zurück und versuchte, durch einen gezielten Schlag, den Griff des Offiziers loszuwerden. So entspann sich ein wildes Handgemenge, in dessen Zug der Kommandant Jack laut krachend gegen die Wand schleuderte, wie ein lästiges Insekt. Die hölzerne Wand stieß mit einem heftigen Ruck alle Luft aus Jacks Lungen und ließ ihn aufkeuchen. Doch das reichte dem Japaner noch nicht, denn er warf sich gegen seinen Kontrahenten und rammte dessen Adamsapfel mit dem Unterarm. Jack stöhnte auf und schlug nur noch unkontrolliert um sich, wobei er Tokugawa das eine oder andere Mal zwar traf, aber keineswegs schmerzhaft. Und dann hielt er still. Am Ende seiner Kraft. Am Ende seines Willens. Es war schließlich alles egal. Gerade hatte er versucht, sich zu töten. Nichts mehr zu verlieren. So nutzte er einen Moment der Unachtsamkeit des Offiziers, löste seine Arme und umarmte dessen Taille, presste dessen Lenden gegen seine. Jack legte seinen Kopf schräg und küsste den jungen Japaner. Ein Schauer lief durch seinen Körper und er spürte mit einem beinahe schmerzhaften Ziehen, wie er hart wurde. Im gleichen Moment löste sich der stählerne Riegel von seiner Kehle. Jack geriet in einen Taumel, als er realisierte, dass Tokugawa seinen Kuss erwiderte. Seine Knie wurden weich und drohten, unter ihm nachzugeben. Sie lösten sich voneinander, doch nur, um die Kopfhaltung zu verändern, auf dass sie den anderen noch intensiver spüren konnten. In der Intensität, die im Kuss des Kommandanten lag, erkannte Jack, dass dieser sich ebenso verzehrt zu haben schien, wie er selbst. Ihre Hände erkundeten den jeweils anderen Körper, als hinge ihr Leben davon ab. Yukio öffnete die obersten Knöpfe seines Uniformhemds und zog es dann wie einen Pullover über seinen Kopf. Und als der junge Offizier Jack zu seinem Schreibtisch dirigierte, dort dessen Hose öffnete und herabgleiten ließ, wähnte Jack sich mit einem Fuß im Paradies. Mit pochenden Lenden erkannte er, dass der Schwanz des Japaners genauso anziehend war wie dessen ganzer Körper. Jack, der keinerlei Erfahrung mit einem Mann hatte, ließ sich von Tokugawa mit dem Bauch gegen die Tischkante drehen.
"Atme ganz ruhig ...", flüsterte der Offizier. "Und - verkrampf´ dich nicht. Ganz locker bleiben!"
Der Amerikaner hielt die Luft an, als er spürte, wie etwas Kühles in seine Rosette gerieben wurde. Seufzend folgte er, das Gesicht nach hinten gedreht, dem was der Kommandant mit ihm tat. Und der einzige Schmerz, den er empfand, war jener, als Yukio mit einem Ruck seinen Schließmuskel überwand. Jack legte sich nach vorne, die süße Last des anderen mit sich nehmend und genoss die Gefühle, die dessen Stöße von seinem Hintern geradewegs in seine Brust und sein Hirn schickten. Tokugawas Berührungen, seine Küsse, seine stoßenden Bewegungen - nichts war mit irgendetwas vergleichbar, das er je erlebt hatte. Denn was er jetzt erlebte, war Glück. Absolutes Glück. Plötzlich hielt sein Liebhaber inne, schien sich zu verkrampfen und entlud dann in seinen Hintern.
Jack war am Ende seiner Kräfte, als er sich umdrehte, erfüllt von Furcht vor dem, was er nun vielleicht sehen würde. Nämlich einen Liebhaber, der seinen Druck abgelassen hatte, wie bei einer Hure. Es war zu schnell gegangen. Viel zu schnell. Jack senkte den Blick, doch ein Zeigefinger legte sich unter sein Kinn und hob sein Gesicht an.
"Sieh´ mich an!", sagte Yukio leise. Jack blinzelte, unfähig zu glauben, dass all dies wirklich geschah.
Und dann küsste ihn der junge Japaner abermals. Zärtlich, sanft. Beinahe scheu. Vergangen seine harten, stürmischen Stöße.
"Ich heiße Yukio", sagte er, noch immer flüsternd. Jack aber schluckte hart und bezweifelte, dass er je den Vornamen seines Liebhabers benutzen würde. Dennoch war es wie ein kleiner Schatz. Ein Geschenk, das er in seinem Herz verstaute und mit sich trug, bis der Krieg zu Ende war. Die Blicke seines Liebhabers suchten den seinen. "Hast du schon genug?", fragte der Kommandant mit einem beinahe scheuen Lächeln. Jack - unfähig, zu sprechen - schüttelte nur energisch den Kopf. "Also gut ..." Yukio ging plötzlich vor ihm in die Hocke und Jack sackte kurz in die Knie, als dieser seinen Ständer in die Hand nahm, seinen Kopf vorreckte und dann den Schaft in seiner ganzen Länge ableckte. Es fühlte sich wie tausend kleine Explosionen in seinen Lenden an, als sich die Lippen des jungen Japaners fest um seine Härte schlossen, während dessen Hand seine Hoden massierten. Jack aber kämpfte mit seiner ganzen Selbstbeherrschung, um nicht sofort abzuspritzen. Seine Finger klammerten sich an die Tischkante, während er das lackschwarze Haar beobachtete, welches die Arbeit von Yukios Mund rhythmisch zu begleiten schien. Der Arzt stand da und unterdrückte all jene Schreie der Lust und Gier, die sich in seiner Kehle und seinem Herz bildeten. Dann aber wusste er, dass er sich nicht mehr zurückhalten konnte. Schnell zog er sich aus den Lippen seines Liebhabers zurück, woraufhin dieser ihn überrascht von unten herauf ansah.
"Was ist? Tut es dir nicht gut?", wollte er wissen.
"Doch, aber ..." Jack schämte sich so, dass er heftig errötete. "Ich schätze mal, ich komme gleich."
"Ja, und?", versetzte Yukio und lächelte ihn keck an. Dann schloss er abermals seine Lippen zu einem festen Ring um den harten Schaft des Amerikaners. Jetzt endlich konnte auch Jack das Kommando übernehmen und begann, geführt von seiner eigenen Lust, Yukios Mund zu benutzen. Es war der unglaublichste Orgasmus, den er je gehabt hatte. Seine Lenden waren förmlich explodiert. Das Glücksgefühl hatte ihn überwältigt und in diesem Moment konnte er sich keinen schöneren, keinen erfüllenderen Anblick vorstellen, als seinen Liebhaber, der sich noch die Reste des Samens mit dem Handrücken abwischte. Dann zogen sie sich an und jeder ging, nach einer letzten, zärtlichen Umarmung, zurück in sein Bett.
Diese Nacht aber bedeutete einen Wendepunkt in Jacks Leben. Er dachte nur noch an Yukio. Sehnte jene kostbaren, gestohlenen Momente herbei, wo sie sich, versteckt hinter einer der Baracken küssen und in den Armen halten konnten. Ganz zu schweigen von jenen Nächten, wo er sich hinüber schlich, um die Männlichkeit des jungen Japaners zu kosen und zu verwöhnen. Wie schwer fiel es ihm, nicht dauernd von seinem Liebhaber zu sprechen, aus lauter Angst, nur ein einziges Wort zu viel zu sagen. Eine auffällige Geste, ein zärtliches Lächeln - und sie wären beide verloren.